Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Sicherheits-Irrtümer: E-Mail-Sicherheit

Im vierten Teil unserer Reihe "Sicherheits-Irrtümer im Internet" beschäftigen wir uns mit dem Thema "E-Mail-Sicherheit". Es existieren Dutzende Missverständnisse, die ständig wiederholt und allzu schnell als Wahrheit hingenommen werden, ohne dass sie tatsächlich belegbar sind. Das BSI hat einige gängige Irrtümer identifiziert und zeigt auf, wie die Risiken, die aus einem falschen Verständnis von IT-Sicherheit resultieren, minimiert werden können.

Irrtum 1: "Wenn ich eine E-Mail nur anschaue, aber keinen Anhang öffne, kann nichts passieren."

Das trifft leider nicht zu.
Viele E-Mails werden heute im HTML-Format verschickt. Im Gegensatz zu reinen Text-E-Mails sind diese oftmals farbig, mit verschiedenen Schriften und Grafiken gestaltet. Im so genannten Quellcode einer HTML-formatierten E-Mail lauert die Gefahr: Denn dort kann schädlicher Code versteckt sein, der bereits beim Öffnen der HTML-E-Mail auf dem Computer des Empfängers ausgeführt wird, ohne dass dafür ein Anhang angeklickt werden muss. Auch Spammer greifen gerne auf HTML-E-Mails zurück, um die Gültigkeit einer E-Mail-Adresse zu verifizieren. Dies erfolgt über sogenannte "Webbugs", kleine meist unsichtbare Bilder, welche beim Öffnen der E-Mail von einem Server der Spammer geladen werden und diesen damit den Empfang der E-Mail signalisieren. Deshalb sollten Nutzer in ihrem E-Mail-Programm die Anzeige von E-Mail im HTML-Format deaktivieren. Die E-Mails werden dann zwar nur im Reintext angezeigt und können schlecht lesbar und unvollständig erscheinen. Doch bei vertrauenswürdigen Absendern kann der Empfänger die HTML-Ansicht der E-Mail per Klick auf eine Schaltfläche aktivieren und die Inhalte vollständig betrachten.

Irrtum 2: "Das Antworten auf Spam-Mails birgt keine Gefahr, man kann auch den Links zum Löschen aus dem Verteiler folgen."

Das stimmt nicht.
Unter dem Begriff Spam werden verschiedene Arten unerwünschter E-Mails zusammengefasst. Dazu gehören unaufgefordert zugesandte Werbung für teilweise zweifelhafte Produkte und Dienstleistungen, Nachrichten mit merkwürdigen Inhalten und so genannte Phishing-Mails, die dem Empfänger unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zugangsdaten zu Online-Shops oder Zahlungsdiensten entlocken wollen.
Egal, um welche Art unaufgeforderter E-Mail es sich handelt, sollten Empfänger diese ignorieren und umgehend löschen, am besten ohne sie zuvor überhaupt zu öffnen. Auf gar keinen Fall sollten Nutzer Links folgen, die vermeintlich dazu führen, dass die Empfängeradresse aus der Liste gelöscht wird. Denn sobald Sie als Empfänger auf solch eine E-Mail reagieren, weiß der Versender, dass Ihre Adresse gültig und aktiv ist. Die Folge ist ein umso höheres Aufkommen an unerwünschten E-Mails, also Spam, im E-Mail-Eingang. Es kann empfehlenswert sein, sich eine zweite E-Mail-Adresse für die Nutzung von Online-Diensten etc. anzulegen. So kann man Spam-E-Mails zumindest aus seinem Haupt-E-Mail-Postfach weitgehend fernhalten. Zudem können als Freeware erhältlich Spam-Filter genutzt werden.
Hintergrundinformationen zu Spam und Schutzmaßnahmen haben wir hier für Sie gesammelt.

Irrtum 3: "Eine E-Mail kommt immer von der Adresse, die im Absender-Feld steht."

Das ist falsch, denn Absenderadressen von E-Mails können mit geringem Aufwand beliebig gefälscht werden.
Hinter dem in einer E-Mail angezeigten Namen einer Person oder Organisation kann sich ein ganz anderer Absender verbergen – dies ist üblicherweise bei illegalen Aktivitäten der Fall, wie Spam-Versand oder den Versuch, den Computer eines Nutzers mit Schadsoftware zu infizieren.

Einen ersten Hinweis auf den Absender erhält der Nutzer, wenn er mit der Maus über den angezeigten Namen fährt. Je nach E-Mailprogramm wird dann neben der Maus oder am unteren Bildschirmrand die – angeblich – verwendete E-Mail-Adresse angezeigt.

Die Echtheit des Absenders lässt sich durch die Verifikation des so genannten E-Mail-Headers ermitteln. Der Header beziehungsweise Quelltext der E-Mail kann im E-Mail-Programm angezeigt werden. In den mit "Received From" bezeichneten Zeilen können Nutzer den Weg der Mail verfolgen, der Versender findet sich in der letzten Received From-Zeile. Teilweise manipulieren Angreifer aber auch die Received-Zeilen, sodass es schwieriger wird, die tatsächliche Herkunft der E-Mail festzustellen. Deswegen gilt bei Zweifeln an der Herkunft einer E-Mail immer: Nicht öffnen, sondern direkt löschen.

Auch bei E-Mails von scheinbar bekannten Absendern kann es sich um Spam handeln, beispielsweise wenn ein Rechner von einem Schadprogramm befallen wurde, das automatisch Nachrichten an die Personen im Adressverzeichnis des Opfers versendet. Hier hilft oftmals schon ein Blick auf die Betreffzeile, um zu beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass gerade diese Person beispielsweise eine englische Formulierung oder einen für sie untypischen Ausdruck verwendet. Weiterführende Informationen zu E-Mails mit falschem Absender bietet dieser Artikel.

Irrtum 4: "Phishing-Mails sind leicht zu erkennen."

Das ist nicht korrekt.
Ziel von Phishing (zusammengesetzt aus den englischen Begriff "fishing" für Angeln und dem voran gestellten "P" wie Passwort) ist, den Opfern Zugangsdaten zu Online-Shops, Online-Banking, E-Mail-Konten oder anderen Internet-Diensten zu entlocken. Eine der beliebtesten Methoden dabei ist, E-Mails von Diensten wie Paypal oder Amazon zu fälschen und die Empfänger darin aufzufordern, einem Link zu folgen, um dort beispielsweise Stornierungen oder eine angeblich sicherheitsrelevante Bestätigung der Nutzerdaten vorzunehmen.

Die Aufmachung solcher Mails und auch der Webseiten, auf die darin enthaltene Links führen, sehen den Original-Mails und Webseiten oftmals täuschend ähnlich. Einen Hinweis, ob es sich um eine Phishing-Mail handelt, gibt die bereits in Irrtum 3 erwähnte Kopfzeile der E-Mail (Header), wo die vollständige Absenderadresse sichtbar wird und teilweise nur marginal vom Original-Absender abweicht. Manchmal fehlt auch die Anrede im E-Mail-Text. Die Versender von Phishing-Mails agieren jedoch immer professioneller, sodass auch eine korrekte Anrede oder ein plausibler Inhalt keine Gewissheit bieten.

Auf keinen Fall sollten Empfänger Links in solchen E-Mails folgen! Im Zweifel können Nutzer die Seite des Anbieters im Browser aufrufen und sich direkt auf der dortigen Plattform einloggen, um sich zu vergewissern. Empfehlenswert ist zudem die Deaktivierung der HTML-Anzeige im E-Mail-Programm (siehe Irrtum 1). Nähere Informationen zum Phishing haben wir hier zusammengestellt.

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