Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Unerwünschte Zugabe

Schnell mal eben das kostenlose Spiel installiert und bei den einzelnen Schritte der Installation blind auf "Weiter" geklickt? Das war keine gute Idee! Wenn Sie nun Ihren Browser starten, werden Sie womöglich feststellen, dass dieser eine Leiste mehr anzeigt – und Werbung, wo immer es ihm passt. Sie werden womöglich sehen, dass Ihre bevorzugte Suchmaschine nicht mehr ganz die alte ist und beispielsweise Anbieter von Online-Kasinos listet, wenn Sie nur nach Tagesgeldkonten gesucht haben. Harmlos erscheinende Links sind auf eine Weise manipuliert, dass Sie zu Seiten geführt werden, die Schadsoftware oder zweifelhafte Angebote enthalten (siehe Clickjacking). Außerdem ist womöglich Ihr Gerät langsamer geworden.

Was ist passiert? Sie haben mit dem Spiel zugleich wenigstens ein potenziell unerwünschtes Programm installiert. Solche unappetitlicher- aber auch passenderweise PUP abgekürzten Programme sind keine Viren. Sie richten also an Ihrem Gerät keinen unmittelbaren Schaden an. Schäden an Ihren Nerven sind dagegen wahrscheinlich.
"Kostenlose" Software finanziert sich häufig durch die Beigabe von PUP; PUP finanzieren sich in der Regel durch Werbetreibende. Das Installationsprogramm der von Ihnen gewünschten Software stellt sie zum Beispiel als "Download-Beschleuniger" oder als "Suchmaschinen-Optimierer" vor. Das Häckchen ist bereits so gesetzt, dass auch diese Programme installiert werden, wenn Sie zu rasch auf "Weiter" klicken. Der beworbene Nutzen der PUP hält sich in engen Grenzen: Wenn eine Suchmaschine optimiert wird, dann nicht in Ihrem Sinne, sondern in dem der zahlenden Werbepartner. Wenn ein Download beschleunigt wird, dann womöglich nur der von weiterer Werbesoftware, sogenannter Adware.

Auch seriöse Unternehmen setzen zuweilen auf Huckepack-Programme. Adobe zum Beispiel hofft im August 2015 auf der Download-Seite für den bekannten Flash Player darauf, dass dieser zusammen mit einer zusätzlichen Software installiert wird. Das Häcken, mit dem Sie der Installation zustimmen, ist bereits gesetzt. Immerhin ist hier der Text eindeutig: Das Programm wird als optional bezeichnet und es gibt keine doppelten Verneinungen, bei denen nicht klar ist, ob Sie der Installation tatsächlich widersprechen. Vor allem aber lässt sich das installierte Programm bei Nichtgefallen leicht wieder entfernen.

Bei weniger respektablen Vertreibern ist das anders: So unerwünscht PUP im Normalfall sind, so schwer ist es, sie wieder loszuwerden. Weil Autoren von PUP wissen, dass ihre Programme nach versehentlicher Installation normalerweise nur wenige Minuten auf Festplatten verweilen würden, fehlt selbstverständlich die De-Installationsroutine. Woran es womöglich nicht fehlt, sind jedoch Einträge zum Beispiel in der Registry von Windows. Sie sorgen dafür, dass sich ein mangelhaft entferntes PUP von selbst wiederherstellt, sobald ihr Gerät neu gestartet wurde und mit dem Internet verbunden ist. Damit haben potenziell unerwünschte Programe tatsächlich eine Gemeinsamkeit mit Viren: Sie sind zäher als geschmolzener Mozarella-Käse. Ein Virenschutzprogramm mag sie zwar entdecken und löschen. Dennoch können Programmreste übrig bleiben, die eine automatische Wiederherstellung erlauben – und zwar ohne Ihre erneute Zustimmung einzuholen. Unerwünschte Browserleisten müssen Sie womöglich aus jedem installierten Browser manuell entfernen.
Wenn alles nicht hilft, müssen Sie das Betriebssystem Ihres Geräts neu installieren. Wohl dem, der vor Installation der Software noch ein Backup erstellt hat, das die Einstellungen des Betriebssystem einschließt – etwa unter Windows einen Wiederherstellungspunkt gesetzt hat. Näheres dazu finden Sie in unseren Artikeln zum Einrichten von Computern und zu Sicherungskopien.

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK