Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Voice over IP

E-Mails an Stelle von Briefen, Online-Chats statt Kaffeekränzchen, virtuelle Einkaufsbummel – das Internet hat bereits eine ganze Reihe unserer Lebensgewohnheiten verändert. Nun steht eine neue Umwälzung bevor: Ein mit dem Internet verbundener Computer übernimmt die Funktion eines Telefons. Unter dem Namen "Voice over Internet Protocol" oder kurz VoIP tritt diese Technik nun an, den Massenmarkt zu erobern. In Deutschland telefonieren bereits etwa eine halbe Million Menschen über das Internet. Schon heute fällt die Qualität der Gespräche kaum gegenüber den Telefonnetzen ab. Die Technologie für VoIP basiert darauf, dass Telefongespräche in kleine Datenpakete zerlegt und dann in blitzschnellem Austausch über Internetleitungen geschickt werden. Theoretisch ist es nun möglich, von jedem Ort der Welt aus über den Laptop zu telefonieren. Einzige Voraussetzung: Eine Datenleitung zum Einstieg ins Internet muss zur Verfügung stehen.

Über VoIP können auch Teilnehmer angerufen werden, die selbst nicht über einen VoIP-Zugang verfügen. Ebenso können Telefonate aus dem "klassischen Netz" über Internet empfangen werden. Sobald aber auch nur ein Teil der Gespräche über das Telefonnetz läuft, fallen natürlich Gebühren an. Bei Telefonaten, die rein über Computer und Internetleitungen ablaufen, entstehen hingegen keine Extrakosten. Dafür zahlt man aber für die benötigte Hardware wie etwa den Router und für die Anbindung ans Internet. Die Telefonsoftware wird von den meisten Anbietern kostenfrei zur Verfügung gestellt.
In das Geschäft mit VoIP sind übrigens auch bereits einige Kabelnetzbetreiber eingestiegen. Der besondere Vorteil für Kunden besteht darin, dass hier im Gegensatz zu DSL kein eigener zusätzlicher Telefonanschluss erforderlich ist.

Nicht ganz unproblematisch gestaltet sich die Vergabe von Telefonnummern an VoIP-Teilnehmer. In der Praxis haben die VoIP-Anbieter diesen bisher zumeist ganz normale Festnetznummern zugeteilt. Die Ortsvorwahlen stimmten dabei aber nicht notwendigerweise mit dem tatsächlichen Wohnsitz des Teilnehmers überein, das führte zu Irritationen. Die deutsche Bundesnetzagentur hat nun reagiert: Einerseits wurde die Vergabe von Nummern mit ortsfremder Vorwahl gestoppt. Andererseits steht seit Beginn 2005 ein neuer Typ von Rufnummern mit der Vorwahl 032 zur Verfügung. Diese Nummern haben keinen geografischen Bezug mehr und eignen sich damit speziell für VoIP.

Natürlich gibt es aber auch bei der Internettelefonie ein paar Wermutstropfen: So können die über das Internet verschickten Sprachdaten – ebenso wie beispielsweise E-Mails – sehr leicht von Fremden eingesehen werden. Insbesondere dann, wenn drahtlose Funknetzwerke ("WLAN") verwendet werden, ist ein Anzapfen von Gesprächen sehr viel leichter möglich als bei klassischen Telefonanschlüssen. Bei Gesprächen mit sensiblem Inhalt sollte daher aus Sicherheitsgründen eine Verschlüsselung gewählt werden.

Darüber hinaus haben leider auch die Versender von Werbesendungen VoIP für sich entdeckt: Das Gegenstück zu den Spam heißt "Spam over Internet Telephony" oder kurz "Spit". Den Werbefirmen entstehen dabei – wie bei Spam – praktisch keine Kosten. Ein entsprechend programmierter Computer kann bis zu 1000 Anschlüsse pro Minute anrufen und Werbebotschaften abladen. Schon jetzt beklagen sich viele über steigende Reklameanrufe oder Werbemüll auf den Anrufbeantwortern. Noch ist nicht abzusehen, welche Ausmaße Spit tatsächlich annehmen wird.

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK